Dying For A Laugh (2012)

Buchhalter George (Marcus Küdde, rechts) steht in „The Actor’s Nightmare“ etwas verloren auf der Bühne – er soll plötzlich Schauspieler sein. Foto: Michael Hehmann 

Neue Osnabrücker Zeitung, 20th Nov 2012

Osnabrück: „The Ostensibles“ zeigen zwei amüsante Einakter

von Tom Bullmann
 
Osnabrück. Englischsprachiges Theater in Osnabrück? Richtig. Was seit den 60er-Jahren bei Angehörigen der britischen Armee Tradition hatte, wird seit dem Abzug der Briten unter dem Namen „The Ostensibles“ weitergeführt. Mittlerweile sind kaum noch ehemalige Soldaten in der Schauspielgruppe und nur noch wenige Muttersprachler, dafür mehr Studenten und Freunde der englischen Sprache. Unter dem Titel „Dying For A Laugh“ („Für ein Lachen sterben“) zeigte die Truppe im Haus der Jugend zwei Einakter, beide eine Mischung aus Komödie und absurdem Theater.
 
George steht ratlos auf der Bühne. Eigentlich ist er Buchhalter. Doch unvermittelt sieht er sich in die Rolle des Schauspielers hineingeworfen, der ein Stück spielen soll, für das er nicht geprobt hat und dessen Texte er nicht kennt. Ab und zu hilft ihm der Inspizient, der als Zimmermädchen die Szene betritt und ihm souffliert. Doch ansonsten ist er in seinem „Albtraum“ allein gelassen und wacht auch nicht auf, als er schließlich von einem leibhaftigen Henker enthauptet wird.
Zwei vergnügliche Stücke haben sich „The Ostensibles“ für die diesjährigen Herbstaufführungen ausgesucht. Der erste Einakter mit dem Titel „The Actor’s Nightmare“ stammt von dem amerikanischen Dramatiker Christopher Durang und sorgt im Haus der Jugend für viel Amüsement. Vor allem Marcus Küdde zeigt sich in der Rolle des George Spelvin von seiner besten Seite als ahnungsloser Schauspieler, der statt eines Hamlet-Monologs Erinnerungen an seine Schulzeit ans Publikum richtet und schon bald hilflos nach einer „Line“ fleht, nach einem Stichwort vom Souffleur. In seiner Verquickung von klassischem Einakter, historischem Drama und absurdem Theater bietet das Stück kurzweilige Unterhaltung auch für Zuschauer, die das Englische nicht perfekt beherrschen. Mehr Konzentration erfordert das zweite Stück „A Slight Accident“ von James Saunders. Hier liegt der recht schwarze Humor in den Dialogen der ebenfalls recht absurden Geschichte. In der Hauptrolle agiert Denise Tiefenthaler als englische Lady, die gerade ihren Ehemann erschossen hat. Ein Unfall? Sie ruft ihre Nachbarin Camilla an, nicht ohne die Leiche unter einem Teppich und einem Sofakissen nur dürftig zu verstecken.
Nun entwickelt sich ein Gespräch zwischen den beiden Freundinnen, das mehrdeutig die Themen Heirat, Ehe, die Gewohnheiten der Ehepartner und das jähe Ende eines Lebens streift. Wie aberwitzig: Bei der Erwähnung von „Einstein’s Theory of relatives“ fällt auf, dass aus dessen Relativitätstheorie eine „Verwandtentheorie“ gemacht wird. Tiefenthaler, Britta Noerenberg als Camilla und Markus Hollins als ihr Ehemann Rodger bieten einen amüsanten Schwank – mit fatalem Ausgang.
Haus der Jugend: Freunde des englischen Theaters haben am Mittwoch, 21. November, noch einmal die Möglichkeit, „Dying For A Laugh“ vom englischsprachigen Amateurtheater zu erleben. Beginn: 19.30 Uhr.
 

 Running Riot (2012)

 

Auch ein Spion interessiert sich für Podmore.

Neue Osnabrücker Zeitung, 31st May 2012

Verwirrspiel - „We Are Honored, We Are Thrilled“

Osnabrück. Eigentlich ist Humphrey Podmore ein einfacher Gemüsehändler aus Yorkshire, der sich in einem französischen Landgasthaus vor seiner dominanten Frau versteckt. Doch dort hält ihn alle Welt für einen britischen Leichtathletik-Star: „Bonjour! Bonjour! Bonjour! We are honoured! We are thrilled!“ – das humorvolle Verwirrspiel nimmt seinen Lauf.

Die Theatergruppe Ostensibles bringt die Komödie Running Riot von Derek Benfield in englischer Sprache auf die Bühne im Haus der Jugend. Premiere ist am Freitag, 1. Juni, um 19.30 Uhr. Weitere Aufführungen sind am Samstag, 2. Juni, sowie am Dienstag und Mittwoch, 5. und6. Juni, jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es unter 0541/6689143. Die Ostensibles setzen die von der britischen Garnison vor 60 Jahren ins Leben gerufene Tradition des englischsprachigen Laientheaters in Osnabrück fort. Jedes Jahr inszenieren sie zwei Aufführungen in englischer Sprache. Neben Engländern engagieren sich Amerikaner, Kanadier, Australier und Deutsche. Die gesamte Produktion findet auf Englisch statt – vom Casting, der Regie-, Produzenten- und Schauspielarbeit bis zu den Tätigkeiten hinter den Kulissen.

 


An Ideal Husband (2011)

Lebendig: Die Theatertruppe The Ostensibles spielt Oscar Wilde.
Foto: Pentermann Osnabrück.  

Neue Osnabrücker Zeitung, 29th November 2011

Die „Ostensibles“ spielen Oscar Wilde

von Tom Bullmann

Da hat sich die englischsprachige Theatertruppe „Ostensibles“ einer immensen Herausforderung gestellt: Als achte Produktion haben sich die Amateurschauspieler das Stück „An Ideal Husband“ von Oscar Wilde vorgenommen. „Es ist der ambitionierteste und auch längste Text, den wir bisher zur Aufführung gebracht haben“, sagt Regisseur Stephen Swann. So galt es bei der Premiere am Samstag, konzentriert dem dialoglastigen Bühnengeschehen zu folgen, das insbesondere Denise Tiefenthaler, Robert Muil und Marcus Küdde mit Leben erfüllen. Erstaunt stellt der Zuschauer fest, dass die Thematik, mit der Oscar Wilde vor mehr als hundert Jahren seine Komödie befeuerte, heute noch topaktuell ist: Ein Politiker aus der zweiten Reihe nutzt seine Position, um einen Bekannten mit Insiderinformationen aus Regierungskreisen zu füttern. Der macht daraufhin mit Suez-Kanal-Aktien ein Vermögen und auch den unmoralischen Politiker Sir Robert Chiltern zum reichen, angesehenen Mann. Sein verwerfliches Tun scheint Chiltern knapp 20 Jahre später zum Verhängnis zu werden: Die intrigante Mrs Cheveley versucht ihn zu erpressen, fällt aber aufgrund der Intervention von Lord Arthur Goring und ihrer eigenen unehrenhaften Vergangenheit auf die Nase.Um Ethik und Ehre, um Schuld und Vergebung geht es in dem Stück. Und um den Snobismus der Londoner Upper Class. Überzeugend spinnt Denise Tiefenthaler als Lora Cheveley ihre Intrige gegen den hilflosen Sir Robert (Marcus Küdde). Robert Muil geht in seiner Rolle als dandyhafter, aber loyaler Lord Goring auf, und für prächtige Unterhaltung sorgt Lord Caversham, gespielt von Graham Chipperfield, der als gebürtiger Brite die idiomatischen Feinheiten der Dialoge besonders gut bewältigt. Weitere Aufführungen von „An Ideal Husband“: heute und morgen jeweils um 19.30 Uhr im Haus der Jugend.

 


The Hound of the Baskervilles (2011)

Sherlock Holmes im Hier und Jetzt. 
Foto: Parton Osnabrück.  

Neue Osnabrücker Zeitung, 20th June 2011

Very British: The Ostensibles spielen „The Hound of the Baskervilles“ Mord liegt in der Luft

von Anne Reinert

So etwas nennt man Spürsinn. „Etwas in der Luft stört mich“, sagt Sherlock Holmes (Robert Muil). Ganz klar: Der Meisterdetektiv wittert Mord. Kühl und ungerührt schaut er in die Ferne, als er diese dramatische Botschaft verkündet. So ist er eben, der Urvater aller Spürnasen, den Sir Arthur Conan Doyle im späten 19. Jahrhundert erfand. The Ostensibles holen ihn nun auf die Bühne. Mit „Sherlock Holmes and the Hound of the Baskervilles“ führt die englischsprachige Theatergruppe einen seiner bekanntesten Fälle auf. Als Grundlage haben sie die Bühnenbearbeitung von Tim Kelly gewählt, der die Geschichte in die Gegenwart holt. Da treten die Darsteller in moderner Kleidung auf, und es ist es auch schon mal die Rede von einem Handy. Dr. John. H. Watson, Holmes ewiger Sidekick, wird hier außerdem zu Dr. Jane Watson. Einziger Ort des Geschehens ist das Wohnzimmer der Familie Baskerville. Dort wird geredet, gerätselt, geweint und auch geflirtet. Sherlock Holmes und Kumpanin Watson wurden von Sir Henry Baskerville gerufen, dem letzten Erben der Familie. Er hat Angst um seine Sicherheit, weil seine Familie seit Generationen unter einem Fluch leidet. Ein Geisterhund sucht die Baskervilles heim und hat vor Kurzem Henrys Onkel zu Tode gehetzt. Wenn der Logiker Sherlock Holmes am Werk ist, geht es letztlich doch mit rechten Dingen zu. Bevor der Fall geklärt ist, gibt es aber einige Rätsel zu lösen. Sind die Charaktere wirklich die, die sie vorgeben zu sein? Das naive Hausmädchen Perkins (Insa Schroeder)? Die freundliche Lady Agatha (Ulla Hilterhaus)? Die schöne Kathy Stapleton (Michaela Bienias)? Und was weiß Laura Lyons (Tina Teubner) über die ganze Angelegenheit? Das bleibt bis zum Schluss ein Geheimnis. Bis dahin gilt es, dem auch sprachlich gelungenen Schauspiel der Gruppe zuzusehen: dem rationalen Sherlock Holmes, der sympathischen Jane Watson (Denise Tiefenthaler), ihrem Auftraggeber Sir Henry (Janis Buß) und dem jähzornigen Jack Stapleton. Sein Darsteller Stephen Swann spielt außerdem noch überzeugend zwei weitere Rollen. Englisch wird bei den Ostensibles auch hinter der Bühne kommuniziert. Schließlich bestand die Gruppe, die es seit 60 Jahren gibt, ursprünglich aus Angehörigen der britischen Armee. Inzwischen spielen Deutsche und Muttersprachler mit. Regisseurin ist Marie Fontaine, eine in Osnabrück lebende Kanadierin. Sie beweist mit ihrer Inszenierung sprachliches und humoristisches Gefühl. Für die Zuschauer ergibt das einen unterhaltsamen Abend. Weitere Aufführungen:heute und Mittwoch, 22. Juni, 19.30 Uhr, Haus der Jugend. Kartentel. 0541/34500375

 


The Mousetrap (2010)

 

Hat der neurotische Mr. Christopher Wren (links) den Mord begangen, oder waren es die Pensionsbetreiber Mollie und Giles Ralston?
Foto: Elvira Parton  

Neue Osnabrücker Zeitung, 29th November 2010

Ablenkungsmanöver in Agatha Christie’s „The Mousetrap“ auf der Bühne - Showdown mit dem Polizeiinspektor

von Tom Bullmann

Osnabrück. Einen „Roten Hering“ nennt man im englischen Theater die Rolle, in der ein Schauspieler ein unterhaltsames Ablenkungsmanöver inszenieren kann. In Agatha Christie’s Thriller „The Mousetrap“ gibt es solch einen „Roten Hering“. Es handelt sich um den halbseidenen Halbitaliener Paravicini, der zusammen mit anderen Gästen wegen eines Schneesturms in einer Pension von der Außenwelt abgeschlossen ist. Und wie das in einem Stück von Agatha Christie üblich ist, sind zunächst alle Protagonisten inklusive der Gästehausbetreiber Mollie und Giles Ralston unter dem zugeschneiten Dach von Monkswell Manor des Mordes verdächtig. Dann wird auch noch eine alte Dame aus den eigenen Reihen ermordet, und es kommt zum Showdown mit dem Polizeiinspektor, der auf Skiern zu den Eingeschlossenen gestoßen ist. Gäbe es Graham Chipperfield nicht, gäbe es in der Osnabrücker „Mousetrap“ nicht so viel zu lachen. Denn Chipperfield glänzt wie schon in früheren Stücken der englischsprachigen Theatergruppe „Ostensibles“ durch starke Präsenz, Authentizität und humorvolles Auftreten. So verleiht er jetzt dem „Roten Hering“ in „The Mousetrap“ die richtige Portion Heiterkeit, um die Spannung der Handlung ein wenig aufzufangen. Denn auch wenn es sich im Haus der Jugend um die Aufführung eines Amateurensembles handelt: Die Darsteller vermögen es trefflich, das Publikum in dem Zweiakter bis zur Endsequenz zu faszinieren. Kleine Hänger im Text oder technische Pannen gehören hier wie in den besten Schauspielhäusern zur Tagesordnung. Weil Dr. Stephan Swann, der die Ostensibles in den vergangenen Jahren mit selbst geschriebenen Stücken versorgte, diesmal keine Zeit hatte, kam das Ensemble auf die Idee, eines der erfolgreichsten Stücke von Agatha Christie anzubieten: „The Mousetrap“ ist das am längsten ununterbrochen aufgeführte Theaterstück der Welt. Seit der Uraufführung im Jahr 1952 wird es durchgehend im Londoner Westend gezeigt. Wer Lust auf englischsprachiges Theater im typischen Agatha-Christie-Ambiente mit einem witzigen „Roten Hering“ hat und dafür nicht nach England reisen will, der kann sich das Stück heute, 30. November, um 19.30 Uhr noch einmal im Haus der Jugend anschauen. Übrigens: Der Mörder wird traditionell nicht verraten. Wie im Original-Theater in London wird am Ende des Stücks darum gebeten, die überraschende Auflösung des Falls nicht nach außen zu tragen!

 


Dinner For None (2010)

Flott bei der Sache: Die „Ostensibles“ brachten Monty-Python-Sketche auf die Bühne.
Foto: Thomas Osterfeld

Neue Osnabrücker Zeitung, 6th June 2010

Praline mit Froschfüllung

„This is the end!“ Die feine Managerin des Restaurants (Michaela Bienias) bringt sich aus lauter Verzweiflung um, während der Koch (Andreas Keller) mit dem Hackebeil auf den Gast (Stephen Swann) losgeht. So viel Umstände wegen einer schmutzigen Gabel! Überspitzungen und anarchistischer Humor sind eben typisch für die britische Comedy-Truppe Monty Python. Deren „Restaurantsketch“ war jetzt Bestandteil einer Sketchreihe der englischsprachigen Osnabrücker Theatergruppe „Ostensibles“ e.V. Insgesamt sieben Sketche von Monty Python, David Ives und Saturday Night Live wurden unter dem Titel „Dinner for none“ im Haus der Jugend in Osnabrück zu einer Einheit verschmolzen. Unter der Regie von Verena „Phoebe“ Schlesinger und Janis Buß gingen die „Ostensibles“ dem Rätsel menschlichen Missverstehens nach. Öffentliche Orte wie Restaurant, Café und Party (Stage: Insa Schröder) bildeten den Schauplatz für Verständigungsprobleme und totalen Wahnsinn. So pries etwa in „Crunching Frog“ Hippiedame Mrs. Milton (Charmian Bilger) in ihrem Lokal Pralinen mit Froschfüllung und Lerchenspucke an, was das Verständnis von Inspector Praline (Tina Teuber, stilecht mit Bobby-Mütze) von der Gesundheitspolizei auf eine harte Probe stellte. Vor einem anderen Problem stand Mrs. Short-Term-Memory (Danis Tiefenthaler), die ihrem Namen entsprechend ein dauerhaft angeschlagenes Kurzzeitgedächtnis hatte. Ob Blind Date oder Krankenbesuch – durch ihre Unfähigkeit, sich Namen, Freunde und Orte zu merken, büßte die schicke Dame mit der roten Blume im blonden Haar einiges an Sympathien ein. Wie man beim Smalltalk auf der sicheren Seite steht, konnte sich das Publikum in David Ives’ „Sure Thing“ abschauen. Darin fanden Bill (Andre Garthaus) und Betty (Verena „Phoebe“ Schlesinger) nur deshalb zueinander, weil ein Summer auf jede verbale Ungeschicklichkeit aufmerksam machte und man wieder von vorne beginnen konnte. Das Leben könnte so einfach sein! Und so typisch britisch! Weitere Aufführungen am 5. und 8. Juni je 19.30 Uhr im Haus der Jugend.

 


Saving Scrooge (2009)

Ein wenig aktualisiert haben die Laiendarsteller von „Ostensibles“ die berühmte Dickens-Geschichte.
Foto: Pentermann

Neue Osnabrücker Zeitung, 27th November 2009

Soziale Kälte und Bankenkrise

von Tom Bullmann

„A Christmas Carol“, die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, kommt in der Bearbeitung des englischsprachigen Laientheaters „Ostensibles“ im Haus der Jugend zur Aufführung. Der Tradition der an der Volkshochschule probenden Schauspielgruppe folgend, zwei Stücke im Laufe eines Jahres zur Aufführung zu bringen, haben sich die 25 Bühnenaktivisten jetzt das Buch von Dickens vorgenommen. Die Adaption stammt, wie bisher alle Ostensibles-Stücke, von Stephen Swann, einem Dozenten für englisches Recht an der Universität Osnabrück. „Ich habe Original-Passagen aus der Buchvorlage verwendet, aber mit eigenen Texten Humor eingebracht und Jetztzeitbezug hergestellt“, verrät Swann. Dadurch habe das Stück den Charakter einer kritischen Komödie bekommen, in der es um soziale Kälte, um Hartherzigkeit und um die Bankenkrise gehe. Nur so viel sei verraten: Als dem alten Geizkragen Ebenezer Scrooge, der in der Ostensibles-Version ein Banker ist, der Geist seines verstorbenen Kompagnons Jacob Marley erscheint, eröffnet der ihm, dass sein Geschäft wegen einer Börsenkrise komplett pleite sei. Schaffen es die Geister der vergangenen, der diesjährigen und der zukünftigen Weihnacht, Einfluss auf den bankrotten Bankier zu nehmen? „Auch wer nicht sehr gut Englisch spricht, wird die Geschichte aufgrund von Mimik, Körpersprache und technischen Effekten verstehen“, verspricht Swann. Dracula: a†version (2008) Neue Osnabrücker Zeitung, 14th January 2009 Dracula beißt wieder zu von Tom Bullmann „Die Monster erwachen, wenn die Vernunft schläft.“ So interpretiert Steven Swann das Drama um den charismatischen Grafen Dracula aus Transsylvanien, den der Schriftsteller Bram Stoker zu einer weltberühmten Figur machte. Swann schrieb eine neue Bühnen-Version des Dracula-Themas, indem er den Grafen in den 1890er-Jahren eine Urlaubsgesellschaft an der englischen Küste aufmischen lässt. Sein Stück wird am kommenden Wochenende von der englischsprachigen Amateurtheatergruppe „Ostensibles“ im Haus der Jugend gezeigt. Die Theatertruppe „Ostensibles“ präsentiert ihr neues Logo, mit dem sie schon für die Aufführung ihres neuen Stückes wirbt. Am Freitag und Samstag wird die neue Dracula-Bühnenversion im Haus der Jugend aufgeführt. Foto: Michael Hehmann Ein überaus lebendiges „Überbleibsel“ aus der Zeit, in der zahlreiche Einheiten der britischen Armee in Osnabrück stationiert waren: die Amateurtheatergruppe „Ostensibles“. Hervorgegangen aus der „Osnabrück Amateur Dramatic Society“, die in den 1960er-Jahren von britischen Soldaten gegründet wurde und regelmäßig Bühnenstücke im damaligen englischen Kino in der Dodesheide aufführte, arbeitet die Gruppe jetzt unter neuem Namen an der Volkshochschule weiter. „Ostensibles ist ein Wortspiel“, erklärt Simone Israel, Fachbereichsleiterin Fremdsprachen in der VHS. „Osten steht für „OSnabrück Theatre in ENglish“, und das ganze Wort bedeutet auf Deutsch „Die Scheinbaren“, so die Leiterin des Projekts. Zwar sind noch einige Briten in der Crew, die hier sesshaft wurden, doch in erster Linie machen jetzt Deutsche mit, die sowohl ihrer Schauspielleidenschaft als auch ihrem Interesse an der englischen Sprache freien Lauf lassen. Pünktlich zur Aufführung ihrer Weltpremiere „Dracula: a†version“ präsentieren die „Ostensibles“ jetzt ein Logo, das in Kooperation mit einem anderen VHS-Kurs entstanden ist: Ein lachendes und ein weinendes Gesicht vereinen sich unter einer Krone zu einem vielsagenden Antlitz. „Das war eine passende Gelegenheit für meine Kursteilnehmer, das Erlernte an einer realen Aufgabe zu erproben“, sagt Martin Kester, der an der VHS „Mappenvorbereitung für gestalterische Studiengänge“ trainiert. Die Entwürfe von Nina Grunge, Steffen Mischke und Olga Gertje, die ähnliche Ideen umsetzten, wurden zum endgültigen Ergebnis kombiniert. So bekommt der gerade gegründete Ostensibles-Verein ein charakteristisches Zeichen, mit dem er werben und in der Öffentlichkeit auftreten kann – wie auf den Plakaten und Handzetteln für die Wochenend-Aufführungen. Das dort gezeigte Stück hat Steven Swann, quasi der Hausschreiber der Amateurgruppe, kreiert. Der Dozent für englisches Recht an der Uni Osnabrück schuf eine Art Neuerkundung des Dracula-Klassikers, in der Gegenwart und Vergangenheit aufeinanderprallen und spielerisch mit dem Reiz des Fremden, mit Wahnsinn, Angst und Verzweiflung umgegangen wird.

 


Swine After Pearls (2009)

Reichlich spleenig und sehr britisch: Die „Ostensibles“ amüsierten mit einem Stück von Stephen Swann.
Foto: Egmont Seiler

Neue Osnabrücker Zeitung, 8th June 2009

Komische Jagd nach dem Perlenhalsband

Lady Frogbottom ist nicht so recht bei sich. Nachdem sie fast eine ganze Karaffe mit Gin-Limonade geleert hat, schwankt sie in Abendkleid und Fuchspelz durch das Wohnzimmer der Brickbats, lässt sich auf das Sofa fallen und kann nur schwer ihre Lust auf den jungen Toby verbergen: „Sex, that’s the problem: too much sex!“ Reichlich spleenig und sehr britisch: Die „Ostensibles“ amüsierten mit einem Stück von Stephen Swann. Foto: Egmont Seiler Das Hauptproblem der adligen Dame ist indes weniger erotischer Art. Ausgerechnet im Haus ihrer besten Freundin wurde ihr das kostbare Perlenhalsband gestohlen, und an Verdächtigen mangelt es nicht. Hier werden keine Perlen vor die Säue geworfen, sondern „Swine After Pearls“. In der Premiere von Stephen Swanns gleichnamiger „another British Comedy“ lieferte sich das Ensemble der aus der „Osnabrück Amateur Dramatic Society“ hervorgegangenen englischsprachigen Theatergruppe Ostensibles in ihrer dritten Produktion im Haus der Jugend eine so komische wie spleenige Jagd nach den Frogbottom’schen Perlen. Dafür wurde das Publikum mit Grammofonklängen in das gediegene Wohnzimmer der Brickbats ins London des Jahres 1924 geführt, wo Lady Melissa zum Geburtstag ihrer Freundin Lady Penelope Frogbottom (Britta Nörenberg) eine Überraschungsparty vorbereitet. Denise Tiefenthaler gab hier temperamentvoll und überzeugend die snobistische Lady mit rotem Partykleid, Federboa und Stirnband, die andächtig den Ansprachen King George V. im neuen Radio lauscht und nebenher noch Zeit für ihren Liebhaber Dick (Pablo Wittenbrink) findet. Leicht begriffsstutzig und aufbrausend kommt in dieser Hausgemeinschaft à la „Eaton Place“ ihr Gatte Sir George daher, von Stephen Swann stilgerecht mit Monokel dargestellt. Nichte Angela (Tina Teuber) und ihr bohemehafter Verlobter Neil (Marcus Küdde) vertreiben sich die Zeit mit verliebten Neckereien, während die Köchin (Susanne Pansksus) stoisch die Launen der Hausherrin erträgt und das kesse Dienstmädchen Susan (Verena Schlesinger) mit ihrem Freund Toby (Patrick Braun) eigene Pläne mit den Perlen der herrlich herrischen Pseudo-Suffragette Frogbottom verfolgt. Bei aller Komik mangelte es denn auch nicht an ironischer Gesellschaftskritik, und das durchweg überzeugend agierende Ensemble entlarvte in perfektem Englisch und mit nicht immer jugendfreien Wortspielen eine dekadente Gesellschaft, in der sich in bester Slapstick-Manier Hausbewohner und Gäste das verführerische Perlenhalsband abzujagen versuchen – rutschende Hosen, falsche Ärzte und halbnackte Männer inklusive.  Drei Monate probten die 25 Ostensibles-Mitglieder an der Umsetzung, am Freitag ist Premiere.

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